Leichtathletik im Wandel

von : G.Sonnemann , Sportanalyst , Berlin , Februar 2017

IV. Leichtathletik in Bewegung

E. welche Parameter bestimmen den Hochsprung

copyright :  G.Sonnemann , Berlin

                  das UrhG  gilt in vollem Umfang

Will man auf die verbesserung einer Hochsprungleistung Einfluss nehmen , ist es notwendig, die Hochsprungleistung in Einzelteile zu zerlegen.

Man muss die einzelnen Einflussfaktoren auf die erzielbare Sprunghöhe kennen, sie in Beziehung zu anderen Einflussgrößen sehen , um jedem einzelnen Athleten individuelle Vorschläge zur Verbesserung von Technik und Athletik machen zu können.

 

Üblich ist die Aufteilung einer Sprunghöhe in Einzelteile nach „ Hay „ :

 

      

 

                                   H  =  h1  +  h2  - h3                                                                                                               ( 1 )                                                                        

 

mit :                            h1    =  Körperschwerpunktshöhe bei Absprungende

 

                                   h2   =   Steigehöhe des KSP von Absprungende bis zur      

                                              max.Höhe der  Flugkurve

 

                                   h3  =   Lattenüberhöhung

 

Die Einzelhöhen  h 1  /  h 2  /  h 3    hängen wiederum von vielen Einzelparametern ab, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Sprunghöhe haben und auch untereinander in Beziehung stehen.

 

Über diese Zusammenhänge muss man sich im Klaren sein.

 

Sie werden bestimmt von logischen, biomechanischen und mathematisch/physikalischen Zusammenhängen.

 

Es gibt verschiedene Aufteilungsschemata :

 

 

Nach Dr.Killing, Bundesinstitut für Sportwissenschaft :

 

Die Autoren Dr.Killing/J.Böttcher/G.Keil haben in ihrem Buch [ 2 ] , Seite 168 ein Schema der Zusammenhänge dargestellt, sie nennen sie Korrelationen.

Da werden Abhängigkeiten dem Grunde nach dargestellt und Koeffizienten der datengestützten Größe der Abhängigkeit genannt.

 

Nach Killing ( wiss.Direktor der DLV-Akademie ) ist demnach gesichert, dass .

 

h 1  <<< nur von der Körpergröße abhängt ( Korrelation 1,0 )

 

h 2 <<< hängt zunächst nur von der vertikalen Absprung-v = Hub/Zeit  ab ( 0,48 ), dann

 

  •                 vom Hubweg, ( 0,71 ) , .. nachfolgend Absenken

 

                               ......Absenken ( 0,39 ) , nachfolgend Rücklage +   

                                                                    Innenlage

 

                                             …..Rücklage ( 0,09 ), nachfolgend

                                                  Kniewinkel+ Schrittlängen

 

  • und der Absprungdauer ( 0,29 )ab, diese nachfolgend von

 

                           ….. von der Anlaufgeschwindigkeit ( 0,50 )

 

abhängt.

 

Der Parameter Sprungkraft  taucht bei Dr.Killing überhaupt nicht auf.

Dabei korreliert er doch stark  mit der Absprungdauer  t  und mit  dem Rücklagewinkel.

 

In wörtlichen Ausführungen spricht Killing zwar von der Wichtigkeit der Sprungkraft , aber in den Korrelationen taucht sie gar nicht auf.

 

Indirekt ist die Sprungkraft in der Absprungdauer enthalten, und hat so – nach Killing – eine Korrelation mit der Steigehöhe von ( bei Männern ) von 0,48 ( Hub/Zeit ) * 0,29( Absprungdauer ) =  0,14   , also nur eine geringe Beeinflussung der Steigehöhe durch die Sprungkraft.

 

Das ist ja so garantiert nicht.

 

Eine steigende Sprungkraft wirkt positiv auf die Absprungzeit ( wird kleiner ), steigert die vertikale Absprunggeschwindigkeit und so die leitungsbestimmende Gesamtgeschwindigkeit unter Abflugwinkel α .

Zum Abflugwinkel  alpha  muß man sagen, dass er in Wirkliichkeit nur eine rechnerische Größe ist.

Er lässt sich nicht messen, sondern ist die Resultirende aus der nach Größe und Wirkungswinkel  anstehenden Impulse aus der vertikalen Geschwindigkeit unter Abdruckwinkel und der horizontalen Geschwindigkeit.

Dabei ist der Abdruckwinkel der Winkel zwischen Vertikaler und der Linie Fuß durch KSP des Springers beim Absprungende.

 

Nach Killings Korrelationenszusammenhängen [2 ] hat die Steigehöhe  h 2  lediglich einen Zusammenhang mit der vertikalen Abfluggeschwindigkeit = Hub/Zeit.

 

Wenn dem so wäre , würde ein Athlet nach den“ Leitparametern“ von Killing, S.164,Tab.5.18 [ 2 ] ,bei einer Sprunghöhe von 2,45 m lediglich eine vertikale V = 0,37 m / 0,157 s  = 2,36 m/s entwickeln , die nach Berechnungsformel für die Steigehöhe  h2 = ( V,vert. 2 ) / 2g = 28,4 cm betragen würde. 

 

Die Steigehöhe ist aber im Spitzenbereich ca. 110 cm , da muss also bei Killing in den leistungsbestimmenden Parametern ein ganz entscheidender Faktor fehlen.

 

Dies ist natürlich die nach Abzug des Bremsstoßes verbleibende horizontale Geschwindigkeit unter Wirkung des Abflugwinkels α .

 

 Der Rücklagewinkel spielt nach Killing nur für das Absenken des Körperschwerpunktes eine Rolle.

 

Dabei bestimmt gerade der Rücklagewinkel ( = Sprungauslage ) die Höhe des Bremsstoßes und somit den verbleibenden Teil der horizontalen Anlaufgeschwindigkeit = horizontaler Teil der Abfluggeschwindigkeit.

 

Die Daten von Killing/Böttcher sind aus statistischer Auswertung von 3- D-Analysen entstanden.

 

Auch wenn sich auf diese Weise nicht alle leistungsbestimmenden Faktoren, wie Sprungkraft , bestimmen lassen, so gibt es doch diese Korrelationen.

 

Würden in der Erkennung von Zusammenhängen = Korrelationen nicht die Daten aller Springertypen, aller verschiedener Athleten eingehen, sondern nur Mehrfacherfassungen eines Athleten, würde erkannt werden, dass vor allem die Sprungkraft und die horizontale Anlaufgeschwindigkeit die Sprunghöhe bestimmen.!

 

So sind die Beziehungsdarstellungen nach Killing unvollständig und teils einfach falsch.

 

 

 

Zur Datengewinnung nach Killing [ 2 ] :

 

 

Tausende Sprünge von Männer und Frauen wurden  3-D - messtechnisch untersucht, um die leistungsbestimmenden Faktoren zu ermitteln.

Aus diesen Einzelwerten werden mittels verschiedener statistischer Methoden quasi Mittelwerte gebildet , die Aufschluss über ihren Einfluss auf die Hochsprunghöhe geben sollen , sowie über die Beeinflussung anderer Parameter , es werden die bereits erwähnten Korrelationsfaktoren gebildet.

 

Was gehen für Einzelwerte in die Analyse ein ?

 

Es sind nicht nur Weltklasseathleten, es sind auch schwächere Athleten mit fehlerhafter Technik, oder Weltklasseathleten mit nicht gelungenen Sprüngen.

 

Aus einzelnen fehlerhaften Daten werden durch Mittelbildung aber keine Musterdaten, die dem technischen Ideal entsprechen.

 

Es sind bestenfalls mittlere Fehlerdaten.

 

Außerdem sind die 3-D-Daten selbst mit großem Fehlerpotential in der Erfassung behaftet, dass beschreibt W.Killing in seinem Hochsprungbuch, Ausgabe 2004 in Punkt 5.3.4 selbst.

 

     -                Danach sind Körperschwerpunktsbstimmungen mit +/- 3 % 

                      anzunehmen ,

 

    -                Beschleunigungsmessungen haben +/-12 % Fehlerqoute , die

    -                Messung der horz.Anlauf-V  hat bis 0,2 m/ s Fehlerqoute.

    -               Die Bestimmung der max.Körperschwerpunktshöhe desselben 

                    Sprunges lag  zwischen  2,49 m ( Ritzdorf+Conrad) und 2,36 m

                   ( Dapena )

 

Da die Daten selbst unsicher sind, wichtige Zusammenhänge zwischen leistungsbestimmenden Faktoren ganz fehlen, bringen die Korrelationskoeffizienten mehr Unklarheit in die Zusammenhänge des Hochsprungs , als sie Klärung beitragen.

 

 

Aufteilungsschema und Datengewinnung nach Sonnemann [ 1 ]

 

Die Ordnung der einzelnen Einflussgrößen auf die Sprungleistung nehme ich anders vor.

Zu sehen in der pdf :

 

Skizzen zu Teilleistungen im Hochsprun1.[...]
Microsoft Word-Dokument [70.8 KB]

 

Im Schema Sonnemann sind gegenüber Dr.Killing auch folgende leistungsbestimmenden Einflussgrößen enthalten :

 

                  .  Sprungkraft

 

                  .  gegliederte vertikale Abfluggeschwindigkeit

 

                  .  Schwungelemente

 

                  .  Bremsstoß

 

                  .  Absprungwinkel

 

bzw. werden anders in der Abhängigkeit gruppiert , es sind dies ::

 

                 .  die Rücklage

 

                 .  die Absprungzeit

 

Alle Kräfte beim Hochsprung wirken immer im 3-dimensionalen Raum, was die Sache nicht einfacher macht.

 

Und doch, wesentliche Bestimmungsfaktoren einer Hochsprungleistung lassen sich gut mit mathematischen Formeln ausdrücken.

 

Dies geschieht unter Berücksichtigung biomechanischer Erkenntnisse, nicht immer wissenschaftlich ganz fundiert.

 

( alle Berechnungsformeln der Einzelparameter in  www.leichtathletikimwandelmitnbl-site.de

 In  IV./B )

 

Trotzdem sind die Fehlergrenzen enger als bei den messtechnisch gewonnenen Daten.

Die rechnerische Bestimmung von Teil-und Gesamtleistungen in allen Leistungsbereichen zeigt  eindeutig ,dass sich stets logische und wettkampfrealistische Werte berechnen lassen.

 

Ein Beispiel :

 

Beim Aufsetzen des Sprungbeines verliert der Springer horizontale Geschwindigkeit << den Bremsstoß.

 

Hatte er eine horizontale Anlaufgeschwindigkeit von 8,0 m/s  und beträgt sein Rücklagewinkel 31 grad , so ist seine verbleibende horizontale Geschwindigkeit =8,0  -  Bremsstoß nach Sonnemann 3,93 = 4,07 m/s .

( in Richtung ihrer Entstehung, was nicht mit der Richtung der Wirkung für die vertikale Steigehöhe gleich zu setzen ist , da alles im 3-dimensionalen Raum stattfindet )

 

So lassen sich auch Werte für den Abflugwinkel, die Absprungzeit, Abfluggeschwindigkeit usw.realistisch genau genug berechnen.

Es können so die theoretischen Möglichkeiten eines Springers mit seinen objektiven Leistungsparametern berechnet werden. Daraus lassen sich Hinweise für Verbesserungen in der Technik/ im Training gewinnen.

 

 

zur Festsetzung von Leitparametern bei Killing/Böttcher

 

Auf Seite 162 , [ 2 ] schreibt Killing :

 

                        „ Beim Vergleich der Athleten untereinander sieht man, dass

                              ähnliche  Leistungen bzw. Steigehöhen mit  

                              jeunterschiedlichen  Konstellationen der Einflussgrößen erzielt werden 

                              können. „

 

Und doch errechnet Killing „ Leitparameter „ , die zur Erzielung einer bestimmten Höhe erreicht werden sollten.

 

<<< Seite 164, [2 ] , Tabelle 5.18

 

 

was nicht geht

 

Analysen und Verbesserungshinweise können nur für jeden Athleten einzeln gemacht werden, denn die Erzielung einer Sprunghöhe ist in der verschiedensten Zusammensetzung von Einzelwerten möglich.

 

Es gibt kraftbetonte Springer, die ihre Leistung mehr aus der Sprungkraft erzielen und es gibt schnelligkeitsbetonte Springer.

 

Orientiert man sie beide an „ Zielwerten „  beraubt man beide Springertypen ihrer Stärken. Diese Gleichmacherei würde die Leistung beider Springertypen verschlechtern.

 

Gemeinsame Zielwerte für alle Athleten bei einzelnen leistungsbestimmenden Parametern gibt es nicht, aber wohl für jeden Springer individuelle bestmöglich zusammen passende Parameter !

 

 

Nach Berechnungsformeln Sonnemann :[ 1 ]

 

Wie unterschiedlich die leistungsbestimmenden Einzelteile h1  -  h3  zur Erreichung derselben Gesamtsprunghöhe sein können , zeigt die folgende Tabelle

 

Für die Höhe 2,30 m ; Athlet 1,90 m groß ; h3 = 2 cm

 

V,horz.  Rückl.  Abspr.zeit Abspr.w. KSP,A  Hub  Kraftf.  h2  Brems   V2,1  V2,2  h2,1    h2,2

 

Nach Killing :[ 2 ]

 

7,85       32               0,157       46           0,95     0,36      

 

Nach Sonnemann :

 

7,85     31              0,157         46        0,98     0,35   0,95      1,00   3,86    3,17   3,05    0,51    0,49

 

7,85    31              0,162        46         0,98      0,35   1,0        0,99    3,86   3,17  2,96    0,51     0,48

 

8,3      31             0,172         46         0,98      0,35    1,0       0,995  4,09   3,36  2,78    0,544   0,45

7,93    34            0,189         52       0,936     0,41   1,0       0,98     4,24   2,86  2,705  0,504  0,477

7,5      31            0,157         46      0,98      0,355  1,2       0,986  3,69   3,025  3,089  0,488  0,498

 

7,2      39          0,2168        61       0,845    0,51     1,05     0,97    4,33   2,11   2,88     0,41     0,56

 

Straddle

 

  8,1     28,3      0,14           41        1,0          0,30     1,0      1,016   3,67  3,61  3,20   0,538    0,477                     

 

  Mit verschiedenen Werten springen die Athleten also gleich hoch.

 

  • Die horizontale Anlauf-V  schwankt zwischen 7,2 m/s  bis  8,3 m/s

  • Der Rücklagewinkel schwankt zwischen 31 grad bis 39 grad

  • Der Abflugwinkel schwankt zwischen 46 grad  bis  61 grad

  • Die Absprungzeit schwankt zwischen 0,14 sec.  bis  0,217 sec.

 

 In seinem Buch 2004,bisp hat Dr.Killing folgende Schwankungsbereiche angegeben :

 

  • Horizontale Anlauf-V <<<  7,0  -  8,5

  • Rücklagewinkel <<<< 21 grad  - 41 grad ( Tab.6.17 )

  • Abflugwinkel

  • Absprungzeit <<<  0,13 sec .  – 0,205 sec.  ( Tabelle 6.21 )

  • Körperschwerpunkt, Anfang <<< 85,6 cm  - 114 cm ( Flop,Tab.6.18)

  • KSP,Absprungende  <<<<  125 cm  -  152  cm

  • Kniewinkel,Schwungbein,vorl.Schritt <<< 101 grad   -  150 grad ( Tab.6.14 9

  • Sprungbein im Absprung nachgeben <<< 2 grad  - 30 grad ( Tab.6.21 )

  • Abstand Fußspitze – Latte bei Absprung <<<<  0,47 m  - 1.,26 m  ( Tab.6.19 )

 

Alle Parameter nach Sonnemann liegen also im festgestellten Schwankungsbereich.

 

 

 

Bemerkungen zum Bremsstoß

 

Zum Bremsstoß müssen einige Bemerkungen gemacht werden, weil hier über Notwendigkeit und Wirkung viele Unklarheiten bestehen.

 

Beim Aufsetzen des Sprungbeines unter einem bestimmten Rücklagewinkel wird die horizontale Anlaufgeschwindigkeit natürlich abgebremst und im beginnenden Absprung die Erzeugung von vertikaler Geschwindigkeit eingeleitet.

 

Notwendiger Weise ist die Umlenkung von Kraft aus horizontaler Richtung in gewünschte vertikale Richtung mit einem Verlust an horizontaler Geschwindigkeit verbunden , dem Bremsstoß.

 

Frage : kann der  Bremsstoß teilweise zur Erhöhung der vertikalen Sprungkraft eingesetzt werden ?

 

Es gilt nämlich :

 

Eine Körperbewegung, mit der ein großer Kraftstoß erreicht werden soll , ist durch eine entgegengesetzt gerichtete Bewegung einzuleiten.( Bremsstoß ) Durch das Abbremsen der Gegenbewegung kann so zu Beginn der Zielbewegung ( vertikal nach oben) bereits eine positive Anfangskraft für die Beschleunigung vorhanden sein .

 

( so wird mit dem Drop Jump DJ  eine größere Steigehöhe als mit dem Counter Movement Jump  CMJ und dem Squat Jump erreicht )

 

Diese vergrößert den Kraftstoß aber nur ,  wenn Brems-und Beschleunigungskraftstoß in einem optimalen Verhältnis stehen.

 

Diese Verhältnis  x =  Bremsstoß/Beschleunigungskraftstoß sollte 0,3 bis 0,4  betragen.

( Hochmuth , 1982 )

 

Zu beachten ist auch, dass die Nutzung der den vertikalen Beschleunigungsvorgang unterstützenden Reaktivkräfte durch Wirkung des Dehnungs- Verkürzungsvorgangs der Muskeln ( DVZ ) nur funktioniert, wenn der ganze Prozess in max. 0,2 sec. abläuft.

 

Ein zu großer Bremskraftstoß kann zu einer zu großen Kniebeugung und zu einer zu großen Absprungzeit führen, was die Wirkung von reaktiven Kräften ausschließen würde.

 

Zu beachten ist dabei auch , dass ein größerer Bremsstoß bei größerem Rücklagewinkel zwangsweise die Absprungzeit  t  vergrößert, was eine Verkleinerung der Abfluggeschwindigkeit bringt. Das Zusammenwirken mehrerer Einflussfaktoren ist zu beachten.

 

Wie ist es speziell im Hochsprung ?

 

Der Bremsstoß wird hier nach Sonnemann [ 4 ] , Skizze 1 ,berechnet.

 

Entlang der Wirkungslinie  Fußaufsatz – KSP  bei Absprungbeginn  wirkt dieser Bremsstoß mit negativem Betrag entgegen dem Beschleunigungskraftstoß des Springers.

 

Die Verhältnisse zeigt die Skizze 2 .

 

Beide Skizzen sind in folgende pdf-datei zu sehen :

 

 

Fosbury – Flop :

Der  Bremsstoß für einen Sprung mit V,horz.,Anlauf = 8,0 m/sec. , einem Rücklagewinkel von 31 grad und KF = 1,089  beträgt nach Sonnemann [ 1 ] = 3,93 m/s .

 

Der negative vertikale Anteil beträgt dann = 3,93 *cos 31 grad = 3,37 m/ sec.

 

Der negative Kraftstoß ist somit :

 

                                                   FB,vertikal= 70 kg * 3,37 m/ sec. =  - 235,9  Ns

Die messtechnische Datenlage ist kompliziert, jedoch kann man mit Mitteldaten zu Erkenntnissen kommen.

 

Danach kommen Spitzenathleten auf einen Beschleunigungskraftstoß von

 

                                                         Fz = 370 Ns   <<<

 

                          Bremsstoß

 Faktor =   -------------------------    =   235,9/370 =0,64                                              

                   Beschleunigungskraftstoß                 

 

Straddle :

Bei einem Sprung mit V,horz.Anlauf =7 m/sec. ,einem Rücklagewinkel von 37,7 grad, einem KF = 1,089 , einer daraus folgenden Absprungzeit von t = 0,201 sec. ergibt sich nach [ 4 ] ein Bremsstoß von 3,68 m/s ,dessen vertikaler negativer Anteil dann 3,68 * cos 37,7 = 2,91 m/sec. beträgt.

 

                 FB,vertikal   = 70 kg. * 2,91 m/s  =  203,7 Ns

 

                Fz                                                   =  370 Ns

 

 

                      203,7

Faktor  =  -------------      =   0,55   

 

                      370

 

Das optimale Verhältnis Bremsstoß / Beschleunigungskraftstoß ist im Hochsprung nicht  erreicht.

 

Das heißt, im Hochsprung kann aus dem Bremsstoß keine zusätzlich vertikale Beschleunigungsgeschwindigkeit gewonnen werden.

 

Das aus der Bewegung heraus sowieso eine positive Anfangsgeschwindigkeit resultiert, bleibt davon unbenommen.

 

 

Killing dagegen schreibt in seinem Buch auf Seite 149,oben :

 

                „ .. der Athlet muss im Anlauf eine hohe Horizontalgeschwindigkeit

                     entwickeln, damit sie während des Absprungs zugunsten von

                     Vertikalgeschwindigkeit verloren gehen kann. „

 

 

Aus dem Bremsstoß der hohen Anlaufgeschwindigkeit zeiht der Athlet keinen Vorteil für die vertikale Absprunggeschwindigkeit. Der Bremsstoß ist ein notwendiges Übel für die Umleitung der Kraftrichtung.

Viel mehr wird auch die nach Abzug des Bremsstoßes verbleibende horizontale Anlaufgeschwindigkeit unter dem Abflugwinkel in vertikale Abflug-V umgesetzt .

Die  verbleibende horizontale Geschwindigkeit ist somit  entscheidend!

 

 Nach Sonnemann [ 1 ] ergeben sich Im Überblick verschiedene Teilparameter bei unterschiedlichem    Bremsstoß :

 

                                           Höhe

 Rückl.    KSP,A    Hub   V,horz.   Höhe ,Kraft   Bremsstoß     t      Gesamthöhe

 

  31 ο            0,98      0,35   0,577        0,553              3,92          0,15        2,39

 

  38 ο       0,92     0,49     0,45         0,516              4,27          0,223     2,254

 

 ( Springer 1,91 m groß/ Anlauf- V ,horz. = 8,1 m/s)

 

 Einen guten Sprung erkennt man also – wie von manchen Autoren vermutet – nicht an einem großen   Bremsstoß.

 

Es ist doch der entscheidende Vorteil des Fosbury-Flop , dass mit kleinerem Rücklagewinkel der Absprung bei mehr Geschwindigkeit durchgeführt werden kann 

 

Wie können Auswertungen von Einzeldaten zur Technikverbesserung und Leistungsssteigerung beitragen ?

 

Egal , ob Einzelparameter aus Messverfahren einzelner Sprünge oder aus mathematischer Berechnung stammen, sie sollen das Verständnis für das Zusammenwirken der vielen Vorgänge beim Hochsprung fördern und Einflussnahmemöglichkeiten aufzeigen.

 

Nach Killing/Böttcher/Keil :

 

Die Gliederung einer Sprunghöhe auf einzelne bestimmende Einzelparameter hat Killing auf Seite 168 mit der Angabe seinen Korrelationskoeffizienten vorgenommen.

 

Das die Gliederung logisch falsch und unvollständig ist, wurde schon beschrieben.

 

Es fehlen hier und in den „ Leitparametern „ wesentliche leistungsbestimmende Faktoren wie Sprungkraft und gesamte vertikale Abfluggeschwindigkeit.

 

Werte für die vertikale Abfluggeschwindigkeit sind nicht angegeben ,lassen sich aber aus Hub/Kontaktzeit errechnen.

 

Damit hat man aber nur einen Teil der vertikalen Abfluggeschwindigkeit erfasst , als würde der Absprung „quasi aus  dem Stand“ erfolgen. Der Athlet geht aber mit einer Anfangsgeschwindigkeit in den Absprung , wie beim Weitsprung oder dem Angleiten beim Kugelstoßen und aus der nach dem Bremsstoß verbleibenden horizontalen V  wird auch vertikale Geschwindigkeit erzielt.

 

Nach Killing ist die vertikale Geschwindigkeit für einen 2,45 m –Sprung nur mit 0,37/0,157 = 2,357 m/sec. angegeben , das reicht gerade für eine Steigehöhe von [( 2,357) Quadrat]/19,62 = 0,283 cm .

 

Der zweite Teil der vertikalen Abflug-V , der aus der horzt. Geschwindigkeit, fehlt.

 

Aber gerade das Zusammenspiel der gesamten Abflug-V  aus zwei Teilen ist bei verschiedenen Größen von Anlauf- V und Rücklagewinkel wichtig , um zu beurteilen, wie Veränderungen dieser Größen auf die Sprunghöhe wirken.  

 

lDie Daten von Killing werden durch eine computergestützte 3-D–Analyse ausgewertet.

Die gegebenen Hinweise von Böttcher sind textlicher Natur.( Seite 201,Killing)

Und vor allem sehr allgemeiner Art.

Wenn da zur Auswertung eines Sprunges steht :

 

                    „ die Athletin springt höher, <<<< wenn sie die Kontaktzeit im

                           Absprung reduziert „

Ist das zwar richtig, nutzt aber niemanden, denn die vielfältigen Beziehungen der Absprungzeit zu anderen Parametern werden gar nicht angesprochen.

 

Es könnte an der zu großen Rücklage liegen, die Sprungbeinhocke könnte zu groß sein oder die Sprungkraft reicht einfach nicht zu schnellerem Absprung aus.

 

Die Sprungkraft wird bei diesem Auswertungsschema sowieso nicht angesprochen , dabei ist sie doch der größte Einflussfaktor auf die Gesamtsprunghöhe.

 

Solche banalen Hinweise nach Auswertung wie

 

         „ der Athlet springt höher<<< wenn im vorletzten Schritt schneller anläuft / steiler

                 abspringt/ die Kontaktzeit reduziert .. „

 

bringen nichts , wenn nicht gesagt wird , wie man das erreichen kann.

 

Manche Aussagen sind auch einfach nicht zutreffend.

 

Auf Seite 204 schreibt Böttcher, es „ ergibt sich nur ein geringer Zusammenhang zwischen der Sprunghöhe und einem größeren Absprungwinkel „

 

Mag sein, dass eine Auswertung von Sprüngen vieler verschiedener Athleten keine Korrelation zwischen Absprungwinkel und Sprunghöhe ergibt ( weil eben jeder anders springt ), nehme ich aber denselben Springer, korrelieren beide Parameter schon.

 

Nehme ich einen Sprung mit gegebenem Abstand Absprung zur Latte , so hat  dieser Athlet mit 8,1 m/s Anlauf-V und 47 grad Abflugwinkel eine Steigehöhe von  1,13 m  , springt er mit 55 grad und vergleichbarer Anlauf-V ab , schafft er nur eine Steigehöhe von 1,01 m.

 

Also hat der Absprungwinkel schon einen erheblichen Einfluss auf die Sprunghöhe.

 

Der größte Mangel dieser Art Auswertung + Hinweise an den Athleten ist jedoch, dass die individuellen Merkmale eines jeden Springers an den gewonnenen Leitparametern gemessen werden. 

 

Die durch die Analyse gegeben  Empfehlungen können so den persönlichen Stärken des Athleten widersprechen und zum Abbau dieser Stärken führen , letztlich ist ein Leistungsrückgang durch diese Art „ Gleichmacherei „ zu erwarten.

 

 

 

Erkenntnisse nach Sonnemann

 

Die Gliederung der Gesamthöhe nach Einflussgrößen ist logisch und wird durch errechnete Einzelwerte gestützt. <<< siehe pdf

 

Es ergeben sich bei Vorgabe einiger Grundwerte- wie horizontale Anlaufgeschwindigkeit + Sprungkraftwerte mindestens – dazu optimale weitere Parameter, die dem einzelnen Athleten ermöglichen, die nach seinen Voraussetzungen größtmögliche Sprunghöhe zu erreichen.

 

( Berechnungsformeln in [ 1 ] )

 

Welche dieser anzustrebenden Parameter vom Trainer und Athleten zuerst versucht wird zu erreichen, muss individuell mit Sachkenntnis entschieden werden.

 

Die rechnerischen Vorgaben sind nur Vorschläge zur Optimierung , sie können die Entscheidungen von Trainer/Athlet nicht ersetzen.

 

 

 

Quellen :

 

 

 

[ 1 ]   Sonnemann; Berechnung von Teilhöhen im Hochsprung ;

 

                                  www.leichtathletikinbewegungmitnbl-site

 

                                  unter    IV/ B 

 

[ 2 ] Killing u.a. ; Sportwissenschaftliche Aspekte des Hochsprungs;

 

                            2016/04 ; Bundesinstitut für Sportwissenschaft