leichtathletik im wandel mit nbl

Verfasser : G.Sonnemann, Sportanalyst, Berlin Juli 2018

 T. 7 nutzt die Seitenlage beim Weitsprungabsprung ?

Ziel eines guten Absprunges

 

beim Weitsprung und Dreisprung ist die bestmögliche Ausnutzung der Anlaufgeschwindigkeit und der vorhandenen Sprungkraft.

 

Prof.Wiemann schreibt in seiner „ Analyse sportlicher Bewegungen“ das ein optimaler Absprung eine aufrechte Körperhaltung verlangt.

 

Bild 1 :

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Im Absprung soll die Sprungkraft unter einem günstigen Abflugwinkel möglichst komplett durch den Körperschwerpunkt in die gewünschte Richtung der Flugkurve geleitet werden.

 

Zum „ normalen Absprung „

 

Dem entgegen steht die Tatsache, dass die Kraftwirkung des Sprungbeines  exzentrisch auf das Becken wirkt.

Der Körperschwerpunkt = KSP  befindet sich etwas über der Beckenachse mittig im Körper.

Das Sprungbein befindet sich  in knapp der Hälfte der Beckenbreite seitlich daneben.

 

Der Angriffspunkt der Kraft des Sprungbeines wirkt also  exzentrisch  auf den Springer.

 

Skizze 1 :

Die blaue gestrichelte Linie ist die Kraftwirkungslinie des Sprungbeines in der Erzeugung und durch den KSP.

 

Die rote gestrichelte Linie zeigt die Verschiebung des KSP und Beckens bei seitlicher Neigung des Körpers.

 

Absprung mit Körperneigung

 

Deshalb versuchen einige Weitspringer durch Neigung des Körpers in Richtung Sprungbein

den KSP genau über die Senkrechte des Sprungbeinaufsatzes zu bringen

Verluste an Sprungkraft wie beim “  normalen Absprung „  sollen dadurch vermieden werden.

Doch ist diese Vorstellung realistisch?

 

Bild 2 :

Wieder zum „normalen Absprung „

 

Geht man davon aus, das das System Sprungbein/Becken/KSP-Linie ein starres System ist, wirkt beim geradlinigen Anlauf die gesamte Sprungkraft des Sprungbeines auch auf den Körperschwerpunkt, da die Wirkungs-Kraftlinie des Sprungbeines parallel zur Senkrechten Linie durch den KSP geht.

 

Eine vollständige Übertragung der Sprungkraft auf die SP-Linie setzt ein kraftvolles Becken in Muskeln und Bändern voraus.

In der Praxis wird nur eine im Betrag geminderte Kraft auf die senkrechte KSP-Linie wirken.

 

Durch den exzentrischen Kraftansatz der Sprungbeinkraft in Bezug auf den KSP entsteht ein Drehimpuls im Hüftgelenk auf das Becken .

                                  0,14m* 0,14 m * 75 kg.

Drehimpuls  ca. =     -------------------------------  = 13,4 kgm*m/sec.

                                  0,11 sec

 

Der Springer gleicht diesen durch geeignete Gegenbewegungen im Flug aus und schafft die Voraussetzungen für eine gute Landung.

 

Wieder Absprung mit Seitenlage

 

Wieviel grad Seitenlage ist – wenn überhaupt – notwendig, um den KSP genau senkrecht über den Fußaufsatzpunkt zu bekommen ?

 

Rote Linie = Erzeugungslinie des Kraft des Sprungfußes

 

tan α = 0,14/1,05 = 0,133 <<< α = 7,6 grad

 

 

Mit der Neigung des ganzen Körpers in Richtung Sprungfuß kippt das Becken in dieser Richtung nach unten , um ebenfalls diese etwa 7 – 8 grad.

 

Die Sprungkraft setzt auch bei geneigtem Körper an der Außenseite des Beckens an, und das mit ebenfalls geneigtem Sprungbein.

 

Die Situation der Übertragung der Sprungkraft auf die Wirkungslinie Senkrechte durch den KSP  hat sich also überhaupt nicht geändert.

Es bleibt eine exzentrische Krafteinwirkung.

 

Der bereits beschriebene Drehimpuls wird auch hier erzeugt, allerdings greift er bei dieser Absprungvariante an ein schräg gestelltes Becken an.

Die Wirkungslinien der Kraft des Sprungbeines wirken weniger in die gewünschte Richtung = Flugbahn des KSP nach vorn/unter Abflugwinkel aufwärts  als bei „ normalem Absprung“.

 

Weiter negativ sind :

 

<<< Die Kraftwirkungslinie  Fuß  durch Oberkörper geht nicht durch die Senkrechte Fuß/ KSP

<<< Kraftwirkungslinie geht nicht in die gewünschte Richtung der Flugkurve

<<< noch mehr erzeugte Rotationen auf verdrehte Becken-/Oberkörper-Achsen

<<< Ausgleich der erzeugten Drehimpulse während des Fluges erfordert mehr innere

       Muskelkraft und macht daher die Vorbereitung einer guten Landung schwieriger.

<<< Belastungen des Bewegungsapparates werden größer

 

 

Einschätzung :

 

Die Einnahme einer seitlichen Neigung des Körpers beim Absprung zum Sprungbein hin bringt keine Vorteile in der Ausnutzung der Sprungkraft.

( exzentrischer Kraftansatz )

Die beim Absprung erzeugten zusätzlichen Drehimpulse ( Abweichung Krafterzeugungslinie zu Senkrechte Fuß/KSP in Flugkurvenrichtung) erfordern zum Ausgleich mehr innere Körperkraft und erschweren eine gute Landung.