leichtathletik im wandel mit nbl

Verfasser : G.Sonnemann , Berlin

I. aktuelle Probleme der Leichtathletik

T.3 kann die " Gundersen - Methode " im Mehrkampf angewendet werden ?

Verfasser :  Gunther Sonnemann , Sportanalyst , Berlin , Nov.2013

Die Gundersen-Methode ist dem Skilaufen angelehnt.

 

 

 

Es soll im Mehrkampf beim abschließenden 1500m/ 800 m -Lauf direkt der Sieger

 

des ganzen Mehrkampfes sofort zu sehen sein.

 

Wer als erster durchs Ziel läuft, soll für jeden sichtbar auch der Sieger des



gesamten Wettkampfes sein. 

 

 

Dazu müssen die Punktabstände nach der  vorletzten Disziplin -

 

im Zehnkampf also dem Speerwurf - in Zeitabstände für den abschließenden Lauf

 

umgerechnet werden.

 

 

 

Mit der Systematik aller bisherigen Punkttabellen ist dies nicht möglich, da alle

 

Leistungs-Punktkurven einen nicht-linearen Verlauf haben.

 

 

Das heißt, gleiche Leistungssteigerungen werden in den verschiedenen Leistungs-

 

bereichen auch mit unterschiedlichen Punktsteigerungen  bewertet.

 

 

 

Das ist aus leistungsgerechtem Denken auch logisch. Steigert sich ein Athlet

 

von 4:20,00 min.   auf 4:15,00 min. , so muss die Punktetabelle dafür eine

 

größere Punktsteigerung vorsehen, als für eine Verbesserung von 5:00,00 min.

auf 4:55,00 min.

 

 

 

Würden mit den jetzt gültigen Punktetabellen Punktdifferenzen in Zeitabstände

 

umgerechnet, wüsste man gar nicht, welche Zeit als Ausgangspunkt genommen

 

werden sollte, und es könnte sein, dass ein Athlet - mit willkürlich festgesetzter

 

Umrechnung Punkte in Zeit - einen Mehrkampf gewinnt, trotzdem er nur als

2. den Zielstrich im abschließenden Lauf überquert hat.

 

 

 

Die gewollte Einführung der " Gundersen- Methode " ist also nur möglich, wenn

 

die Punkt-Bewertungsformel im 1500 m/800m - Lauf eine lineare Umrechnung

 

von Leistung in Punkte vornimmt.

 

Das heißt, jede gleiche Zeitdifferenz von 2 Leistungen wird mit derselben

Punktdifferenz bewertet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den organisatorischen Problemen der Durchführung des Mehrkampfes nach

 

 

der " Gundersen-Methode " soll hier zunächst nicht gesprochen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zunächst gilt es also eine Bewertungsformel aufzustellen , die einen linearen

 

 

 

Verlauf hat und der Leistungswirklichkeit trotzdem noch gerecht wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine " Gundersen-taugliche " Bewertungsformel sollte dem jetzigen Punkteniveau

 

 

nahe kommen und gleichzeitig Bewertungsmängel der

IAAF-Tabelle 1985 ausgleichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eckpunkte einer solchen Leistungs-Punktkurve können sein :

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leistung in sec.

Punkte IAAF

Punkte,neu

 

 

 

 

 

 

200

1269

1210

 

 

 

 

 

 

220

1106

1100

 

 

 

 

 

 

240

953

990

 

 

 

 

 

 

260

812

880

 

 

 

 

 

 

300

560

660

 

 

 

 

 

 

360

264

330

 

 

 

 

 

 

420

73

0

 

 

 

 

 

 

480

0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine mögliche lineare Bewertungsforme lautet :

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   y =

C * Leistung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie ist in der konkreten Ausgestaltung vorhanden und bringt folgende o.g.Werte.

 

Die Leistungs-Punktkurve ist eine Gerade , die Differenz der Punktwerte

 

 

für gleiche Leistungsunterschiede ist immer gleich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Punktreihe erfüllt also die Voraussetzungen zur Anwendung der

Gundersen-Methode.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Leistungsdifferenz von 20 sec. entspricht einer Punktdifferenz von

110 Punkten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Daraus folgt, dass 1 Punkt = 20/110 = 0,18182sec. entspricht, oder anders gesagt, 1 s im 1500m-Lauf entspricht 5,5 Punkten .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Umwandlung von Punktdifferenz nach dem Speerwerfen in Zeitdifferenz zum

 

 

1500m-Lauf ( Zehnkampf ) würde z.B. bei 75 Punkten nach dem Speerwerfen

 

 

 

eine Zeitdifferenz von 75 * 0,18182 = 13,64 sec. bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Probleme :

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.)

Die Leistungs-Punktäquivalenz ist mit progressiven Punktreihen

 

 

 

 

besser herzustellen.

 

 

 

 

 

 

2.)

Die Punktdifferenzen nach dem Speerwerfen würde auch dazu



führen,

 

 

 

dass einige Läufer beim abschließenden 1500m-Lauf mit mehr 

als einer Runde Rückstand ins Rennen gehen.

 

 

 

Die Übersichtlichkeit des Laufes, die mit der

 

 

 

Gundersen-Methode ja erhöht werden soll, würde

darunter leiden.

 

 

3.)

Der Mehrkampf insgesamt wird nach wie vor nach einer ermittelten

 

 

 

Gesamtpunktzahl bewertet. Es müssen also die Zeiten aller Athleten

 

 

 

gestoppt und punktmäßig bewertet werden. Dabei kann es

 

 

 

durchaus dazu kommen, dass der augenscheinliche Einlauf

( vielleicht sogar mit

 

 

 

Zielfoto ) dem punktmäßigen Resultat widerspricht.

 

 

 

4.)

die Einführung einer neuen Bewertung des 1500m-Laufes führt zu

 

 

 

einer anderen Gesamtpunktzahl von Mehrkämpfen.

 

 

 

 

 

Es müssen also auch alle Bestenlisten neu geschrieben werden.

 

 

 

 

Wenn man eine solche" Neue Punktwertung " wegen der

 Anwendung der

 

 

 

" Gundersen-Methode " einführt, könnte damit auch gleichzeitig

 

 

 

eine völligneue Punkttabelle - z.B. NBL-Methode - eingeführt

werden,die den

 

 

 

leistungsmäßigen Gegebenheiten insgesamt besser entspricht.

 

 

 

5.)

Der zeitmäßig versetzte Start der Athleten nach errechneten

 

 

 

Zeitabständen stellt ein durchaus nicht einfaches Problem dar. Es darf weder zu Fehlstarts noch zu Behinderungen kommen.





 

 

 

 

6.)

 

die nach Speerwurf führenden Athleten haben einen gewissen



 

 

 

Nachteil im 1500m-Lauf dadurch, dass sie an der Spitze laufen müssen.

 

 

 

 

( selten gewinnen in Einzelrennen die Läufer, die die

 Führungsarbeit leisten )



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Einführung der " Gundersen-Methode " im Mehrkampf ist somit auch abhängig

davon, ob diese und weitere organisatorische Probleme befriedigend gelöst

werden können.